Showrooming und die Folgen davon

Aktuell befasse ich mich in verschiedenen Projekten mit Ladengeschäften, die stark mit dem Phänomen Showrooming zu kämpfen haben. Doch was ist Showrooming?

Showrooming — oder: „Guten Tag, tolle Kamera. Wie teuer? Mein Gott, die bestell ich doch zu Hause lieber online. Ich bin doch nicht blöd!“

Showrooming ist ein beinahe schon „fieses“ Verhalten von potentiellen Kunden, die Ladengeschäfte besuchen, sich Produkte dort näher anschauen und auch erklären lassen, schliesslich aber doch anderswo — meist online, da wo’s halt am Günstigsten ist — beziehen.

Überlegen wir uns einmal was das bedeutet: Viele Ladengeschäfte kämpfen mit massiven Fixkosten (Lokalmiete, Personal, Strom etc.), die über die kommenden Jahre mehr und mehr gefährdet sein werden, da der Umsatz ganz klar sinken wird. Die grossen Looser sind zunächst vor allem die kleineren Geschäfte, die mit der Konkurrenz aus dem Internet nicht mithalten können. Mit zunehmender Ablösung der Generationen wird sich das Showrooming noch verschlimmern: Die älteren Semester, die sich noch auf das „Dorflädeli“, wie wir bei uns in der Schweiz dem Dorfladen sagen, verlassen weil man dort einfach freundlich und zuvorkommend bedient wird, verschwinden nach und nach. Und betrachten wir die aktuellen Trends, so sehen wir viele pensionierte ältere Menschen mit viel Zeit. Mit vieeeeeeeeeeeeel Zeit. In ihrer Freizeit lernen sie früher oder später die Möglichkeiten der modernen Technologie kennen und für sich nutzen: Opa mit dem IPad von Digitec auf dem Sofa unterwegs. Oma hat sich längst coole hippe Bluetooth-Kopfhörer bei Daydeal bestellt damit sie ihre Ländler-Musik auf Spotify hören kann. Und der Deal war ja super. Denn Oma kannte die Kopfhörer bereits aus dem Interdiscount rund 500 Meter von Ihrer Wohnung entfernt. Doch sie waren der älteren Dame dann halt doch immer etwas zu teuer, auch wenn der freundliche Interdiscount-Mitarbeiter schon zwei Mal auf die genialen Vorteile des Kopfhörers hingewiesen hatte. Oma blieb stur und gekauft wurde dann schliesslich einfach online. Der pensionierte Nachbar, der mehrmals pro Woche zu Besuch kommt hat sich inzwischen Kreuzfahrtreisen online selber zusammengestellt und gebucht. Zunächst war er noch kurz im Reisebüro und liess sich einiges über die AIDA Schiffe erzählen. Das gab ihm den Auftrieb sich noch etwas im Internet umzusehen und den Mut zu fassen: Ich buche doch einfach selber. Ja! Das ist die bittere Realität in der wir leben.

Showrooming vs. Webrooming

Welche physisch existierenden Ladengeschäfte wird es in Zukunft denn überhaupt noch brauchen? Gibt es keine Gegentrends? Doch natüüüüürlich gibt es die immer und das ist das schöne an der Welt. Kein Trend ohne Gegendtrend.

„Webrooming“ ist das umgekehrte Verhalten von potentiellen Kunden, dass sie sich zwar online vorinformieren aber am Ende der Kauf doch im Ladengeschäft erfolgt. Ein Trend der massiv zunimmt — und ja liebe Ladenbesitzer hören sie jetzt gut zu: Die Leute sind ungeduldig und möchten eigentlich gar nicht auf die Lieferung ihrer Produkte warten. Lieber gleich hinfahren und kaufen ist noch immer ein wichtiger Aspekt für viele Kunden.

Wie nutzen Sie also Webrooming für sich und Ihr Business mögen Sie mich fragen? Gut gefragt! Lassen Sie den Kunden ganz einfach die freie Wahl, seien sie präsent — z.B. mit einem umfangreichen Internetauftritt, sowie auf ganz Social Media. Ja seien Sie kreativ und aktiv, vertreten Sie Ihre Brand oder Ihr Geschäft ganz aktiv online. Und denken Sie dabei ganz gezielt an Channels und die kostengünstigen Möglichkeiten, die Sie als Ladengeschäft ganz einfach „oben drauf“ für sich nutzen können: Online Werbung nach Mass (keine riesigen Plakatkampagnen sind notwendig) und nach Zielgruppe (werben da wo Ihre Zielgruppe tatsächlich im Internet herumsurft), machen Sie sich online einen Namen als Fachexperte in Ihrer Branche, seien Sie bei Google ganz weit vorne (und ja es geht auch wenn die Konkurrenz nicht schläft). Ihr digitales Image muss Sie Tag und Nacht (ok gönnen Sie sich auch etwas Schlaf) beschäftigen, Ihr Ladengeschäft ist sicherlich bereits schön eingerichtet und wartet nur auf Kunden.

Fazit: Showrooming ist Realität. Webrooming auch. Am Ende ist wichtig, wie Sie darauf als Business und Mensch reagieren. Vergessen Sie Ihre Ängste und nutzen Sie das Potential des Internets für Ihr Geschäft. Interagieren Sie mit Ihren Kunden, seien Sie online für Sie da z.B. auf einer Facebook Seite, auf Instagram bis hin zum „normalen“ E-Mail Verkehr. Seien Sie „omnipräsent“. Passen Sie Ihre Geschäftsstrategien an das Kundenverhalten an, insbesondere das Kaufverhalten. Fragen Sie Ihre Kunden direkt, machen Sie online Umfragen und agieren Sie. Der Erfolg wird sich einstellen und die Ladenbesuche und Verkäufe im Ladengeschäft werden nicht weniger werden.

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